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Pflanzen
Die Epiphyten
(griech. epi = auf, phyton = Pflanze)
Die Bepflanzung eines Feuchtterrariums besteht oftmals überwiegend aus Pflanzengemeinschaften, die allgemein als Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) bezeichnet werden. Die drei Hauptgruppen sind Orchideen, Farne und Bromelien. Epiphyten sind Pflanzen, die andere Pflanzen nur als Unterlage benutzen, um z.B. in den Genuss höherer Lichtintensitat zu gelangen - es handelt sich also keineswegs um Parasiten. Voraussetzungen für ein üppiges Wachstum sind u.a. häufige Benetzung mit Wasser und hohe Luftfeuchtigkeit. Epiphyten sind durch diese mikroklimatischen Bedingungen in der Lage, auch auf kahler Borke ohne jegliches Substrat zu gedeihen. Naturlich ist durch diesen Umstand die Versorgung mit Nährstoffen stark beeinträchtigt, da der Wurzelkontakt zum Bodengrund fehlt. Vor allem viele Farne sind in der Lage. organisches Material aufzufangen, das durch Verrotten in den Nischenblattern (z.B. beim Nestfarn) eine Humusschicht bildet und so die Versorgung mit anorganischen Stoffen sicherstellt, die mit Hilfe des Chlorophylls per Photosynthese wiederum in organische Nährstoffe umgebaut werden. Bromelien sammeln in ihren Blatttrichtern das Regenwasser (Phytotelma) und bieten damit z.B. vielerlei Insekten und Amphibien einen Lebensraum, wodurch auch die Pflanze profitiert, weil sie von den Ausscheidungen der Tiere "gedüngt" wird. Die Lebensgemeinschaft in den "Miniseen" der Blattachseln hat sogar einen eigenen Namen: "Phytotelmon". Epiphytische Farne sind häufig in den unteren Bereichen der Bäume zu finden, da sie von allen Epiphyten die geringste Lichtintensitat sowie den höchsten Feuchtigkeitsgrad fur ein üppiges Wachstum benötigen. Je höher ein Epiphyt am Baum oder Ast wächst, desto mehr muss die Pflanze in der Lage sein, größere Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und kurzzeitiges Abtrocknen ohne Schaden zu überstehen. Daran angepasst sind z.B. Orchideen mit ihren speziellen Speicherorganen (für Wasser, aber auch für Nährstoffe), mit deren Hilfe sie selbst relativ lange andauernde Trockenperioden gut überstehen. Die lichthungrigsten Epiphyten sind die Bromelien, die auch intensive Sonneneinstrahlung und die damit verbundene reduzierte Luftfeuchtigkeit gut überstehen. Weil sie mit starker Sonneneinstrahlung und Abtrocknen gut zurecht kommen, können sie selbst die höchsten Baumkronen besiedeln. Epiphyten sind mittels ihrer staubfeinen Samen (Orchideen), winzigen Sporen (Farne) oder Samenkörner mit Flugkörper (Bromelien) befähigt, sich vom Wind in alle Höhenstufen des Regenwaldes tragen zu lassen und dort hei geeigneten Bedingungen zu keimen.
| Bromelien |
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Bromelien sind tropische bis suptropische Pflanzen, die von 0-4000m über NN in überaus hoher Zahl anzutreffen sind. Den Löwenanteil nehmen die in großer Vielfalt auftretenden epiphytischen Bromelien ein. Einige Arten wachsen sowohl terrestrisch als auch epiphytisch. Bromelien können sich aufgrund ihrer flugfähigen Samen auf Bäumen niederlassen und dort keimen.
![[zum vergrössern klicken]](content/verschiedenes/tn_bromelien.jpg) Am Naturstandort besiedeln sie oftmals Bäume mit klein bleibenden Blättern, um in den Genuss von möglichst viel Licht zu kommen. Palmen sind ebenfalls geeignete "Partner", bei denen sich die Bromelien rund um den Stamm bis kurz vor die Krone ansiedeln, um auch hier den hohen Lichtanteil auszunutzen. Obwohl Bromelien auch an schattigen Standorten keimen, sind doch häufig vorallem die Baumkronen dicht mit Bromelien besetzt. Ein einziger Urwaldriese kann leicht von einigen hundert Bromelien bevölkert sein. jedoch ist der Artenreichtm häufig auf 3-4 Spezies pro Baum und Region begrenzt. Die Temperaturen im Tieflandregenwald liegen bei ca. 25-30Grad Celsius am Tage und nachts selten unter 23Grad Celsius.
Bromelien bevorzugen ein ständig luftfeuchtes, jedoch nicht dauernasses Klima. Ihre Trichter sind ständig mit Wasser gefüllt. Im Terrarium ist die natürliche epiphytische Lebensweise unbedingt zu berücksichtigen: Man sollte die Pflanzen daher mit Moosunterlage auf Kork oder Baumfarn ("Xaxim") aufbinden. In geschlossenen Behältern sind Bromelien immer epiphytisch zu kultivieren, um stagnierende Nässe im Bereich des Wurzelballens zu vermeiden. Aufgrund der Wasserqualität des Leitungswassers eignet sich dieses nicht zur Bromelienpflege. Osmose- oder Regenwasser aus wenig verschmutzten Gebieten ist unbedingt der Vorzug zu geben. Hin und wieder sollte man den Wasserstand in den Bromelientrichtern kontrollieren und gegebenenfalls mit frischem Wasser auffüllen. Bei zu geringem Luftaustausch neigt das Wasser in den bromelientrichtern zu Fäulnissbildung, es sollte dann mit Hilfe einer Spritze abgesaugt und durch neues ersetzt werden. Um ein geeignetes Mikroklima zu schaffen sollte man mindestens einmal pro Tag mit einem Handsprüher - oder noch besser - mit einer automatischen Beregnungsanlage das Terrarium besprühen.
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| Orchideen |
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Die Orchideen bilden die größte Pflanzenfamilie dieser Erde mit 25.000-30.000 Arten und etwa 750 Gattungen. Sie sind in fast allen Klimazonen vertreten, wenn auch der Schwerpunkt in den Tropen und Subtropen liegt. Etwa 80% aller Orchideenspezies bevorzugen den Bereich nahe dem Äquator.
![[zum vergrössern klicken]](content/verschiedenes/tn_orchidee.jpg) Einige Orchideenarten wachsen terrestrisch, einige lithophytisch (auf Steinen), der weitaus größte Teil jedoch epiphytisch: 90% der Orchideenarten sind solche Aufsitzerpflanzen. Orchideen ernähren sich wie alle reinen Epiphyten nicht parasitisch von anderen Pflanzen, sondern „halten sich an ihnen fest", um z.B. in den Genuss höherer Lichtintensitat zu kommen. Sie klammern sich mit einem Teil ihrer Wurzeln (Haftwurzeln) auf dem Ast eines Urwaldriesen an. Die Konkurrenz ist groß, und je höher ihr Wuchsort, desto mehr Licht kann die Pflanze erreichen, desto besser muss sie aber auch an intensive Sonnenstrahlung und zeitweiliges abtrocknen angepasst sein. Alle Epiphyten der hier vorgestellten Pflanzengruppen haben eines gemeinsam: Orchideen, Bromelien und Farne benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit und möglichst häufige Wasserbenetzung um nicht auszutrocknen. Um das vertrocknen zu vermeiden (durch die starke Sonneneinstrahlung in den höheren Baumregionen sinkt die Luftfeuchtigkeit rapide), haben einige Spezies der Orchideen Wasserspeicher in Form sukkulenter Blätter oder "Bulben" (Pseudobulben; griech. bolbos = Zwiebel) ausgebildet. Sie können mit diesen Wasserspeichern wochenlange Trockenperioden überstehen, vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit ist hoch genug.
Da wir uns überwiegend mit den Epiphyten dieser Pflanzengruppe beschäftigen, gilt: Die Wurzeln nehmen nicht nur Mineralstoffe. Nährelemente und Wasser auf, sondern bilden auch ein wichtiges Halteorgan. Die Wurzeln verwachsen eng mit ihrer Unterlage, damit die Pflanze nicht beispielsweise durch Windeinwirkung von ihrem Ast geweht wird. Ein großer Teil der Wurzel hängt frei in der Luft (Luftwurzeln), um besser herabtropfendes Wasser aufnehmen zu können. Die grünen Wurzelspitzen enthalten Chlorophyll und sind - neben den Blättern - auch an der Photosynthese beteiligt. Diese grüne Vegetationsspitze ist auch im Terrarium ein sicheres Zeichen für das Wohlbefinden der Pflanze und ein Indiz für eine genügend hohe Luftfeuchtigkeit.
Die häufig grauen Oberflächen der Wurzeln werden als "Velamen" bezeichnet und sind für das Aufsaugen von Wasser zuständig. Einige Orchideenarten bilden Wurzeln und Luftwurzeln zahlreicher aus als Blätter.
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| Farne |
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Das Bepflanzen eines Terrariums mit Farnen empfiehlt sich besonders für diejenigen, die bislang erst wenig oder überhaupt keine Erfahrungen mit Pflanzen im Tropenterrarium sammeln konnten. So sind Farne auch erste Wahl fur alle Pflanzenfreunde, die zum ersten Mal ein Terrarium begrünen möchten.
![[zum vergrössern klicken]](content/verschiedenes/tn_farn.jpg) Der Grund für diese Empfehlung Iiegt in der Tatsache, dass Farne recht „unempfindliche" Pflanzen sind, die manchen Kulturfehler nicht gleich mit dem Absterben bestrafen, es sei denn, man behandelte sie geradezu wie Wasserpflanzen oder ließe die „Regenzeit" das ganze Jahr hindurch ohne Unterbrechung andauern. Obwohl die Farne zusammen mit den Moosen zu denjenigen höheren Landpflanzen zählen, die den höchsten Grad an Feuchtigkeit vertragen oder sogar benötigen, darf nicht zu viel des Guten über sie herniederprasseln.
Begonnen wird mit den Bodenfarnen, die in den Tropen stets an feuchten Stellen wie z.B. Flussufern zu finden sind. Die Drainage der Böden in den Regenwäldern ist so gut, dass das Wasser sehr schnell versickern und von den Pflanzen im Wurzelbereich aufgenommen werden kann. Der Bodengrund des Terrariums sollte in Anbetracht dieser Verhältnisse ebenfalls so gestaltet werden, dass nach dem Sprühen überschüssiges Wasser sofort abfließen kann. Da Farne häufig in normaler Blumenerde angeboten werden, ist diese durch Abspülen zu entfernen, bevor man die Pflanzen direkt in das Substrat pflanzt.
Epiphytische Farne sind an ein zeitweiliges Austrocknen angepasst und dürfen auf keinen Fall dauernd nass kultiviert werden. Es genügt, den epiphytischen Farn mit etwas Moos an der Rück- oder Seitenwand mit rostfreien Drahtklammern zu befestigen und dem Rhizom freien Lauf zu lassen. Wenn das Mikroklima im Terrarium stimmt, ist das Rhizom nach 4-6 Wochen mit dem Untergrund verwachsen, und die ersten neuen Wedel wenden sich zum Licht.
Wer in Erwägung zieht, überwiegend Bodenfarne zu kultivieren, sollte eher ein breites und dafür weniger hohes Terrarium wählen, um den Pflanzen genügend Licht zu Verfügung stellen zu können. Pflanzt man sie dennoch in einem hohen Terrarium ein, so muss dieses selbst für die anpruchslosen Bodenfarne noch genügend Licht bieten. Die Epiphyten sollten im mittleren Bereich eines Terrariums platziert werden, damit sie die Lichtmenge erhalten, die sie optimal wachsen lässt.
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